Die Geschichte des Gospels
Das Wort "Gospel" bedeutet "Evangelium": Das Wort Gottes wird durch die religiösen Texte und die Musik verbreitet. Es gibt drei Unterschiede zwischen Spiritual und Gospel.
1. Die Spirituals sind echte, fokloristische Gruppenschöpfungen, während Gospel Songs in der Mehrzahl komponiert werden.
2. Die Bilderwelt des Spirituals entstammt hauptsächlich dem Alten Testament, während die Gospel Songs sich gewöhnlich auf den Leidensweg Jesu Christi und die Botschaft des Neuen Testaments
beziehen.
3. Durch den Einbezug von Jazz-Elementen sind Gospels rhythmisch intensiver, zupackender, vitaler als die meisten Sprituals
Woher kommt der Gospel
Wir schreiben das 18. Jahrhundert. Die Gründung der USA steckt noch in den Kinderschuhen und eine religiöse Erneuerungs-Bewegung (The great awekening) erfasst die damaligen britischen Kolonien. Man
bedient sich spirituellen Lieder, um die Ideen und Grundgedanken an andere Jünger weiterzugeben. Ende des 18. Jahrhunderts werden auch schwarze Geistliche, Sammler und Verfasser von spirituellen
Liedern. Reverend Richard Allen, als Sklave geboren, kaufte sich mit 17 Jahren frei. Als Prediger der Methodisten publiziert er 1801 ein frühes Dokument populärer afro-amerikanischer Kirchenmusik.
Heute nehmen wir an, dass die Schwarzen diese Lieder in ihrer eigenen Art und Weise sangen, mit mehr Rhythmus, auf die afrikanische 5-Ton-Leiter umgesetzt und mit selbstkreierten Versen: Der „Negro
Spiritual” war geboren. Diese Form der Kirchenmusik verbreitete sich zusehends mehr bei den Sklaven. Hymnen und Psalme aber auch verbotene Lieder, welche die Sklaven selbst verfassen, werden in Camps
des Nachts am Lagerfeuer tanzend, marschieren, klatschend und stampfend gesungen. Fragmente dieser Spirituals tauchen auch in den berühmten „Worksongs”, den Arbeitsliedern der Sklaven auf, welche die
Hoffnung auf heimliche Flucht ausdrückten. Bis 1865 - dem Ende der Sklavenzeit - fristete der schwarze Spiritual ansonsten ein Dasein als Kirchenmusik. Das änderte sich als 1871 acht schwarze
Studenten aus Nashville die Konzertbühnen im Norden der USA und später auch in Europa eroberten. Gleichzeitig tat sich eine völlig neue Welt auf: der säkuläre weltliche Blues entstand.
Die entscheidende Begegnung der schwarzen religiösen Musik mit Jazz ereignete sich um 1920 herum. Sie bewirkte einen Kirchenmusik-Boom, die es mit jedem Schlager aufnehmen konnte. Als Form bediente
man sich des Blues, Rumba, Mambo, Walzer, Ballade, Boogie-Woogie.
Der professionelle Schliff
Einen entscheiden Beitrag zur Verbreitung des Negro Spirtuals leistete Thomas A. Dorsey, Sohn eines Baptistenpfarrers und ehemaliger Bluesmusiker. Dorseys neue bluesige Kirchenmusik war ganz anders;
gross-städtischer, gepflegter, jazziger und vor allem Notenschrifttauglich. Damals verdiente man das Geld noch mit „Sheet-Music” (Musik-Noten). Junge Sänger und Musiker sollen in der von ihm
gegründeten „National Convention of Gospel Choirs and Chorusses” eine Ausbildung erhalten. Natürlich sollte dies Unternehmen auch Dorseys Notenbusiness nützen; so gingen diverse Sängerinnen, darunter
auch die später weltberühmte Mahalia Jackson, mit seinen Songs auf Reklametour. Damals entstanden Lieder, die noch heute zum Standardrepertoir eines jeden Gospelsängers gehören.
Kommerzialisierung
Nach dem 2. Weltkrieg liessen die kleinen Schallplattenfirmen, die wie Pilze aus dem Boden schossen, den Gospel zu neuem Leben erwecken. Sie nahmen sich den lange vernachlässigten Musiksparten wie
Blues, Jazz, Gospel und Country an. Da Gospelmusik nun häufig auf den schwarzen Radiostationen gespielt wurde, tauchten einige der grossen Gospelhits sogar in den „weltlicheren”
Rhythm'n'Blues-Hitparaden auf. Der Erfolg war unabsehbar und der Gründung neuer Gruppen standen die Tore offen.
Die “Golden Age of Gospel”
In den „Golden Age of Gospel” versuchten Tausende von Formationen Ihr Glück. Quartett-Gruppen, deren Leadsänger herausragten und das Publikum regelrecht in Trance sangen, waren beliebt und erfolgreich. Der wohl berühmteste Leadsänger, Sam Cooke, wurde später ein gefeierter weltlicher Soulstar. Das „Goldene Gospelzeitalter” brachte auch den Superstar schlechthin hervor: „Mahalia Jackson”. Nachdem sie sich mit Thomas A. Dorsey zusammentat, wurde sie zur Represäntantin seiner Gospelsongs und wegen ihrer kräftigen, bluesigen Stimme, ihrem feurigen Temperament und ihrer kleinen Angewohnheit, mit dem Publikum zu flirten, schnell bekannt. Grosse Erfolge feierte Mahalia Jackson ab 1946 als sie, für das kleine New Yorker „Apollo”-Label, Gospelsongs aufnahm. „Move On Up A Little Higher” (ein Millionenhit), „In the Upper Room”, oder das Weihnachtslied „Silent Night, Holy Night” um nur einige zu nennen. Als sie dann zu Columbia Records wechselte wurde sie zum gefeirten Star und trat nur noch selten vor ihrem ursprünglichen schwarzen Gospel-Publikum auf.